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 Sturm Kyrill: Gestrandet in Würzburg

Posted in Neulich imZug (RSS)

18.01.2007 - Frankfurt/Main

Den ICE um 16:54 Uhr in Frankfurt hatte ich ja eigentlich schon verpasst, aber welch glücklicher Zufall - da wurden doch glatt 30 Minuten Verspätung angezeigt. Abfahrt an Gleis 8 statt Gleis 7. Perfekt dachte ich. Aus den 30 Minuten wurden 50 Minuten und gar 60 Minuten. Natürlich war es ein kurzer ICE, weil um dieses Zeit ja kaum Pendler von Frankfurt aus nach Aschaffenburg und Würzburg fahren, ganz zu schweigen von all den anderen Fahrgästen, die nach Nürnberg oder gar noch weiter runtern in den Süden wollen. So war der Spaß eigentlich schon vorprogrammiert. Ich bestieg den Zug, machte noch 2 Schritte und schon ging es nicht mehr weiter. Voll! Nach mir passten noch 2 weitere Fahrgäste rein, dann war Schluß. Die anderen mussten versuchen, irgendwo anders in den Zug zu kommen. Also stehend ging es dann los Richtung Süden, Aschaffenburg als nächsten planmäßigen Halt.

Viele Leute telefonierten und erzählten davon, dass sie nun im Zug seien und wohl bald ankämen. Viele wurden auch angerufen und so kamen ständig neuen Informationen in den Zug hinein und natürlich auch nach draußen. Auf Grund der Enge bekam man natürlich so einiges mit und die Leute kamen auch recht einfach ins Gespräch. Im Fernsehen wurde schon berichtet, dass keine Züge mehr fahren würden, der Zugverkehr eingestellt wäre - aber wir fuhren noch. In Aschaffenburg entspannte sich die Platzlage etwas, da doch viele Pendler dort ausstiegen. Allerdings kamen auch wieder - für Aschebersch ungewöhnlich viele - Reisende in den Zug herein. Kein Wunder, wurde doch am Bahnsteig den Menschen empfohlen, in diesen Zug einzusteigen, EGAL, MIT WELCHEM TICKET, es wäre der Letzte der heute noch fährt. Am Bahnsteig wurde darüber informiert, dass auf Grund des Sturms nur mit 80 km/h gefahren würde. Im Zug wurde gesagt, dass man nur mit 50 km/h fahre, was wohl auch stimmte. Wie sonst wäre es zu erklären, dass man erst um ca. 20:00 Uhr in Würzburg eintrifft. Kurz von Würzburg dann die Nachricht, Endstation, bitte allen den Zug verlassen. An den ServicePoints würden wir über weitere Reisemöglichkeiten informiert. Jaja, erst mal die Leute ohne Tumult ausdem Zug raus, dann sehen wir weiter. Als 3. in den Schlange am ServicePoint erfuhrt ich, dass es wohl keine Weiterreise nach Nürnebrg geben würde. Kein organisierter Busverkehr. Keine Taxis, die Autohabn gesperrt. Und jetzt? Ich hörte von einem Feuerwehrmann, der sich gerade per Funk unterhielt, dass ca. 2000 Fahrgäste im Bahnhof Würzburg feststecken würden.

Plan B

Zum Glück hat es in unserem Abiturjahrgang alle in die Weltgeschichte hinaus verschlagen und - zu meinem Glück - meinen Besten Schulfreund Markus nach Würzburg. Also Telefonnummer rausgesucht, angerufen, erreicht! JA! Perfekt, er holt mich ab, wir gehen Essen und ich kann bei Ihm und seiner Frau Maria übernachten. Es ist schön, wenn man sich auf seine Freund in Notsituationen verlassen kann und nicht verlassen ist. Nach einem lekeren griechischen Essen und einer stürmischen Nacht mit fliegenden Dachziegeln wurde ich am nächsten Morgen zum Bahnhof gebracht. Dort waren noch immer keine Züge angezeigt, man solle auf die Aushänge und Ansagen achten. Gerade, als ich nach den Aushängen sehen wollte kam eine Ansage, dass in wenigen Minuten auf Gleis 8 ein Regionalexpress nach Nürnberg fahren würde. Super, also los zu Gleis 8. Den Zug auch erreicht, rein ins Fahrradabteil, Einzelsitzplaz bekommen. Klasse. Irgendwann kam der Schaffner, recht gesprächig, nachdem er bemerkte, dass alle Tickets von gestern waren.

Mein Dank gilt Maria und Markus.

Posted on Sonntag 21 Januar 2007 by Jochen